Geschichte von Zakopane
Frau Helena, gekleidet in das schönste Gewand, herrlich wie ein Wunder, hielt das Taufkind Staś mit Sabała. Sabała beklagte sich später, dass die Taufe nicht „ehrenvoll“ war, da sie nicht in der kleinen Kirche an der Kościeliska-Straße stattfand, sondern in einer gewöhnlichen Bergbauerhütte, obwohl die Taufe selbst von Pfarrer Józef Stolarczyk vollzogen wurde.
Die stark verspätete Taufe von Stanisław Ignacy Witkiewicz – Witkacy – erfolgte am 27. Januar 1891. Die Taufpaten waren die bereits weltweit berühmte Helena Modrzejewska und der von Legenden umwobene Zakopaner Bergbauer, damals 82-jährige Jan Krzeptowski Sabała. Staś wurde am 25. Februar 1885 als Einzelkind von Stanisław Witkiewicz mit dem Wappen Nieczuja und Maria geb. Pietrzkiewicz mit dem Wappen Ostoja in Warschau geboren. Der an Lungenerkrankung leidende Senior beschloss 1890, dauerhaft nach Zakopane zu ziehen. Stanisław junior blieb fast 50 Jahre in den Tatra bergen.
Alles Außergewöhnliche in Podhale und in den Tatra Bergen wurde von der Natur geschaffen, aber das eigentliche Zakopane – das waren bereits außergewöhnliche Menschen, deren Symbol gerade Witkacy wurde. Wie hätte es auch anders sein können, da er solche Taufpaten hatte. Es ist nicht lange her, aber das reichte aus, damit in Kürze hundert Prozent der Bewohner Zakopanes nie daran zweifelten, dass ihre Siedlung der Nabel der Welt ist und für alle Ewigkeit bleiben wird. Ehrlich gesagt war es damals entschieden klimatisch ungünstig, und die Bevölkerung hatte nicht viel Vernunft, Maß und Geld, aber es fehlte niemandem an Fantasie. Es kamen Zeiten, in denen Zakopane von Tytus Chałubiński entdeckt wurde, der Werbung machte, um die ihn selbst die angesehensten Weltkonzerne nicht beneiden würden. Chałubiński wurde von Sabała selbst durch die Berge geführt und unterhalten mit unglaublichen „Geschichten“ und geräuchertem Oscypek an den Ufern der bachreichen Tatra voller Forellen. Frau Helena Modrzejewska jagte zu Pferd auf die Hala Gąsienicowa, und zu Fuß folgte ihr Ignacy Paderewski. Sienkiewicz, Asnyk, Potkański und die gesamte kulturelle Elite Polens blieben nicht zurück. Auf die Nachricht, dass die Luft unter dem Giewont gut gegen unheilbare Tuberkulose sein soll, strömten Tuberkulosekranke aus allen Richtungen herbei. Boshaft wurde erzählt, sie starben genauso, aber viel fröhlicher.
In dieser Atmosphäre wuchs der kleine Staś auf, und gleich damals offenbarte sich sein außergewöhnliches künstlerisches Talent. Als junger Mann brachte ihn das Schicksal mit Karol Szymanowski zusammen, der auf seine Einladung Anfang 1914 in Zakopane erschien. Der vornehme, elegante und gutaussehende Komponist wohnte im Gasthof „Nosal“ in Bystre, der von Maria Witkiewiczowa geführt wurde. Dort wohnte bereits Jadwiga Janczewska, die Tochter eines Rechtsanwalts aus Minsk, die in Zakopane den Anfang einer Tuberkulose behandelte. Unter den zahlreichen Frauen hatte die erste Verlobte den größten Einfluss auf Witkacy, obwohl die Beziehung höchst stürmisch war. Am 21. Februar 1914, nach einem weiteren Streit, ging Witkacy für einige Tage in die Berge, während Jadwiga mit einer Kutsche ins Kościeliska-Tal fuhr, wo sie auf der Hala Pisana Selbstmord beging, indem sie sich mit einer Browning-Pistole erschoss, die übrigens dem Verlobten gehörte. Außerdem löste der Tod des Vaters bei Witkacy tiefe Depressionen und suizidale Gedanken aus. Aus der Apathie riss ihn Bronisław Malinowski, indem er den Unglücklichen auf eine weite Reise nach Australien mitnahm. Angesichts des nahenden Krieges kehrte Witkacy nach Petrograd zurück. Eine große Kriegskarriere machte er nicht, und nach der Revolution kehrte er nach Zakopane zurück. Einige Jahre später, 1923, heiratete er die schöne Nichte von Wojciech Kossak, Jadwiga Unrug. Die eheliche Idylle hielt nicht lange und es kam zur Trennung wegen deutlicher Charakterunterschiede, obwohl sie sich nie scheiden ließen. Sie blieben bis zum Lebensende in einer seltsamen Freundschaft. Zur materiellen Absicherung gründete Witkacy die Portrait-Firma „Witkasiewicz und Co.“. Das Firmenstatut war so komisch wie eigenartig. So entstanden die meisten von Witkacy gemalten Porträts, kommerzielle und experimentelle, die bei gesellschaftlichen und freundschaftlichen Treffen in alkohol- und drogenschwangeren Atmosphären entstanden. Im Atma-Haus wohnte bereits dauerhaft Karol Szymanowski, der sich leidenschaftlich mit Bergvolkskultur umgab. Er besuchte Trachtenhochzeiten, Taufen und hörte oft den Klang der Saiteninstrumente von Bartuś Obrochta. Ihm folgten hervorragende Künstler aus aller Welt in die neue Heimat des berühmten Komponisten. Speziell aus New York kam Paweł Kochański, der großartigste Geiger jener Zeit, für die Uraufführung von Szymanowskis gerade vollendetem zweiten Violinkonzert.
Etwas später, 1924, kam Jan Kasprowicz aus Lemberg. Mit seiner Ehefrau, der Tochter eines zaristischen Generals, Maria Bunin, bezog er die Villa „Harenda“. Der Dichter genoss die neue Unterkunft kaum wegen seiner schlechten Gesundheit. Nach seinem Tod führte Marusia ein offenes Haus für allerlei Originale. Es war die Zeit der größten Blüte der Zakopaner Boheme, die sich zahlreich im Atma, auf Harenda und in anderen magischen Orten versammelte, die von verschiedenen Gurus mit Gefolge besucht wurden.
Die künstlerische Gemeinschaft vermischte sich genau mit den Stars des Bergsteigens, das unter allerlei Verrückten zur Mode wurde. Unter den Künstlern gab es viele Bergsteiger und unter den Bergsteigern viele Künstler. Diese verrückte Gesellschaft drehte sich um Józef Oppenheim, den Leiter des Bergrettungsdienstes, der von Mariusz Zaruski persönlich ernannt wurde. Regelmäßig besuchte man die heute nicht mehr existierende Berghütte auf der Pyszna, von wo aus die berühmten „Bergtouren“ starteten. Es wurden in den Tatra Berg neue Routen im Wettlauf erbaut. Diese Leistungen genießen noch heute Respekt.
Zakopane hat sich den Titel "Nabel der Welt" hart erarbeitet. Es ist unmöglich, alle farbigen Persönlichkeiten der Vorkriegszeit aufzuzählen, die sich in den unglaublichen Geschichten unter dem Giewont verewigt haben. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass jemand aus den Schöpfern, der nicht viel Zeit in Zakopane verbrachte, schlichtweg nicht zählte – und das im gesamten damaligen Polen.
Leider wurde die verrückte Zeit vom Krieg unterbrochen. Viele überlebten ihn nicht und viele kehrten nie wieder in die Tatra zurück. Im September 1939 erreichte Witkacy das ukrainische Dorf Jeziory. Bereits tief in Depressionen versunken und nach der Nachricht vom Einmarsch der Russen in Polen beging er einen Tag später Selbstmord und wurde dort auf dem Dorffriedhof beerdigt. Zakopane ging durch die finsteren Zeiten schwer gezeichnet. Nach dem Krieg erwachte die magische Seele noch einmal. Makuszyński, Tuwim, Słonimski, Sztaudynger und viele andere hielten die magischen Plätze am Leben – wenn auch in viel kleinerem Maßstab, denn die neuen Verhältnisse förderten das nicht unbedingt.
Die Seele Zakopanes ist nicht verloren. Wenn man heute um sich blickt, die Annoncen auf den Plakaten liest und vor allem die unruhigen Geister der Gegenwart trifft, lebt die Tradition weiter, manchmal sogar an denselben Orten. Auch der Zakopane-Stil ist nicht verloren gegangen, obwohl seit dem symbolischen Beginn im Jahr 1886, den Stanisław Witkiewicz (der Vater Witkacys) gesetzt hat, mehr als hundert Jahre vergangen sind.
Die Tradition des Zakopane-Stils wird auch heute gepflegt und obwohl sie manchmal neue Erscheinungsformen annimmt, begeistert sie unverändert.
Wir hatten dies im Blick, als wir unser Hotel erschufen und es Ihnen zur Verfügung stellten, in der Hoffnung, dass Sie darin Erholung und Entspannung finden werden, was durch die Zakopane-Atmosphäre begünstigt wird.
Fotos aus den Sammlungen des Tatra Museums in Zakopane.